Aus der Geschichte der Stadt Mediasch

Von der Jungsteinzeit bis zum Beginn der sächsischen Besiedlung

Die Gemarkung von Mediasch war schon seit einer sehr fernen Vergangenheit besiedelt. Eine Vielzahl von archäologischen Funden erlauben es, die Spuren menschlichen Lebens bis in die Steinzeit zurück zu verfolgen. Modell-klSteinwerkzeuge, Feuerstellen, Scherben, Siedlungsreste, die etwa auf den Krähenwiesen, unter dem Hunsrück, auf der Weberln-Wiese, dem Kuckuck, in der Pretaier Ebene, im Busderbach-Tal und entlang der Hermannstädter Straße gefunden wurden, wurde in die Jungsteinzeit (1300 – 1700 v. Chr.) datiert. Eine 1887 gefundene Bronzesichel sowie eine kleine Axt und eine Bronzespirale stammen aus der Bronzezeit (1700 – 700 v. Chr.). Spätere Funde belegen die Existenz einer thrakischen Bevölkerung während aller vier Kulturepochen der Bronzezeit (Schneckenberg-, Wietenberg-, Noua- und Spätbronzekultur).

In der älteren Eisenzeit, der Hallstadt-Kultur (700 – 350 v. Chr.) lässt sich eine skytische Bevölkerung nachweisen, die über die Ostkarpaten ins Siebenbürgische Becken eingedrungen war. Reste ihrer Niederlassungen mit Hütten, Feuerstellen, Abfallgruben, Werkzeugen und Gefäßen deuten auf eine Großsiedlung auf der Burg. Am Südfuß des Berges konnte sogar der Bestattungsplatz der Siedlung ausgegraben werden. Von der Gegenwart der Skyten zeugen auch die Spuren weiterer Einzelsiedlungen.

Mit dem Eindringen der Kelten in den Karpatenraum um 350 v. Chr. begann die Epoche der Latene-Kultur. Schon 1860 wurden im Fleischer Hamm Bestattungsurnen und Körpergräber aus dieser Zeit gefunden. Zu den Funden gehören Bronzereifen und Halsbänder, Silberketten, auf der Töpferscheibe gefertigte Gefäße, Spangen und Armringe aus Eisen sowie Beschläge für Pferdegeschirre.

Um das Jahr 100 v. Chr. waren die Kelten von der bodenständigen Bevölkerung assimiliert. Die nun einsetzende dritte Phase der Eisenzeit ist gleichzeitig die Epoche der dakischen Kultur. Aus jener Zeit stammen eine steinerne Handmühle vom Kuckuck, ein 1829 im Fleischer Hamm gefundener Silberschatz und dakische Silbermünzen aus der Kleinen Rohrau. Dort wurde auch ein ganzer dakischer Siedlungskomplex mit Wohn- und Grabstätten freigelegt. Weitere Funde wurden noch an der Hermannstädter Straße, bei der Fliegerschule, unter dem Bechelsken und über der Weberlnwiese gemacht.

Diese Siedlungen hatten auch in der darauf folgenden Römerzeit Bestand; davon zeugen eine Siedlung unter dem Bechelsken bestehend aus zehn Hütten mit Straßenpflasterung (Römerstraße?), eine Schmiedewerkstatt, Werkzeuge, Scherben von römischen Gefäßen, die Silbermünze mit dem Bildnis des Kaisers Antonius Pius (149 n. Chr.) u. a. m.

Nach dem Rückzug der Römer drangen die Karper, ein Stamm der freien Daker ein. Die Graburne eines Karpen wurde an der Mündung des Eibesdorfer Baches gefunden. Anschließend ließen sich gotische Stämme nieder. Von ihnen stammen ein Goldring, Griff eines Hornkammes, ein Goldring mit Rubinen sowie Keramikfragmente und Fibeln. Die Goten wurden von den Gepiden abgelöst, von denen Gräber an der Hermannstädter Straße und im Bechelsken Kunde geben.

Ab 567 ließen sich slawische Völker, die Awaren, hier nieder, denen später die Bulgaren folgten und die bodenständige Bevölkerung slawisierten. Zeichen dafür sind slawische Namen für Berge und Flüsse. Überreste slawischer Siedlungen wurden auf der Durleser Ebene, an der Hermannstädter Straße und im Eibesdorfer Tal anhand von einem Reitergrab, Gefäßen, Schnallen, Ringen, Anhängern u. a. m. nachgewiesen.

Ab dem 9. Jahrhundert kamen die Walachen, die Vorfahren der Rumänen, in das slawische Siedlungsgebiet nördlich der Karpaten und vom 10. Jahrhundert an drängten die Magyaren nach Siebenbürgen. Unter König Ladislaus dem Heiligen (1075) schoben sie ihre Grenzverhaue von Nordwesten bis an die Große Kokel vor. Als Grenzwächter wurden die Szekler eingesetzt, ein Turkvolk, das sich den Magyaren angeschlossen hatte. Reste einer Szeklersiedlung wurden unter der Margarethenkirche freigelegt, ebenso fanden sich Siedlungsspuren am Marktplatz, im Eibesdorfer Tal, unter dem Bechelsken, unter der Burg, auf der Durleser Ebene und im Puschendorfer Tal.

Mitte des 12. Jahrhunderts wurde das vor der Verhaulinie liegende Land bis zum Alt unter König Geysa II besetzt und zur Kolonisation durch deutsche Siedler freigegeben. Der Großteil der Szekler wurde an die neuen Grenzverhaue am Alt und in den Ostkarpaten vorgeschoben. In dieser Zeit fiel das Gebiet um Mediasch wohl an ungarische Adlige.

Zusammenfassend ist also festzustellen, dass die Mediascher Gemarkung seit der Jungsteinzeit ohne Unterbrechung besiedelt war. Bis zur Ansiedlung das Sachsen weilten hier Thraker, Goten, Skyten, Kelten, Daker, Römer, Goten, Gepiden, Awaren, Bulgaren, Walachen, Petschenegen und Magyaren.

Der Historiker Kurt Horedt geht während der Römerzeit von einer Bevölkerungsdichte von 5 Einwohnern pro Quadratkilometer aus, das bedeutet für Siebenbürgen ungefähr 300.000 Einwohner; während der Zeit der Völkerwanderung hat sich diese Zahl auf etwa 100.000 reduziert. Im Mediascher Raum haben im frühen Mittelalter demnach nicht mehr als einige hundert Menschen gelebt.

Die Gründung von Mediasch und die frühe Geschichte der sächsischen Siedlung

Es fällt dem Historiker nicht leicht, den genauen zeitlichen Ablauf der Besiedlung Siebenbürgens durch die “hospites” aus dem Westen und der Mitte Europas zu beschreiben. Sicher ist, dass sich schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts vereinzelt Siedler vom Rhein und aus Flandern am Rande der Westkarpaten niedergelassen und in der Gegend des heutigen Aiud Bergwerkssiedlungen gegründet haben. Die Dörfer Rumes, Krakau und Krapundorf werden zu den ältesten, von westlichen Kolonisten gegründeten Siedlungen in Siebenbürgen gezählt.image015-kl In den Jahrzehnten vor dem großen Mongoleneinfall 1241 entstanden im Hermannstädter Gebiet zahlreiche Siedlungen westlicher Kolonisten, die dem späteren Königsboden zuzurechnen waren. Auch in Mediasch kann das Vorhandensein deutscher Siedler bereits zum Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts angenommen werden. Ein Friedhof mit so genannten Kopfnischengräbern, der in den 1970er Jahren auf dem Areal des heutigen Kirchenkastells ausgegraben wurde, ist dieser Siedlungsgruppe zuzuordnen. Aus der Analyse des Parzellengefüges der Mediascher Altstadt schließt Paul Niedermaier außerdem, dass im Bereich von Zekesch und Langgasse eine alte Siedlung mit haufendorfähnlichem Charakter existiert hat. Es könnte sich um eine Ansiedlung mit 10 – 15 Familien gehandelt haben. Mit ihrer Existenz könnte die alte Überlieferung im Zusammenhang stehen, dass Mediasch im Jahre 1146 gegründet worden sei. So berichtet es der Chronist Johann Hutter in seiner 1621 verfassten Stadtchronik. Urkunden die, die wohl beweisen könnten, sind vermutlich beim Mongoleneinfall zerstört worden. Die von den asiatischen Horden angerichteten großflächigen Verwüstungen stellten sicher einen herben Rückschlag für die begonnene Aufbauarbeit der deutschen Kolonisten dar.

So mag es erklärlich sein, dass die Zuwanderung in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts weiter anhielt, als König Bela III weitere deutsche Siedler ins Land rief. Bescheidener Wohlstand, der sich einstellte, wird ein weiteres dazu beigetragen haben, dass die Zahl der Bewohner in der Hermannstädter Provinz weiter zunahm. Neues Land fand sich im Norden des Königbodens, auf dem so genannten Komitatsboden in Mittelsiebenbürgen, den die ungarischen Adligen in Besitz genommen hatten. In diesem Gebiet gehörte auch Mediasch und die anderen Dörfer der zukünftigen Zwei Stühle.

Die erste Nennung des Namens Mediasch ist aus dem Jahr 1267 bekannt. In einer Urkunde, durch die Nikolaus, der Sohn eines Adligen mit Namen Jula, von König Stefan V. vier Dörfer zurückerhält, die sein Großvater besessen hatte, werden die Namen …… . genannt. Dies entspricht den heutigen Ortsnamen Mediasch, Fägendorf, Klosdorf und Tobsdorf. Damit ist auch klar, dass das frühe Mediasch ein adeliger Besitz war.

In einem weiteren Dokument bezeugt 1283 Bischof Petrus von Siebenbürgen, dass das Weissenburger Kapitel drei Teile des ihm gebührenden Kirchenzehnten für 40 Mark Silber jährlich den Pfarrern von acht Ortschaften des Mediascher Kapitels, darunter auch Mediasch, abgetreten habe. Demnach gab es bereits eine eigene Kapitelsgemeinschaft Mediasch, die zum Siebenbürger Bistum gehörte. In dieser Urkunde werden erstmals für den Mediascher Raum drei Ortspfarrer mit deutschen Namen erwähnt.

image019-RAuf dem Gebiet der heutigen Mediascher Altstadt entstanden nach Paul Niedermaier zwei zunächst voneinander getrennte Siedlungen. Aus der Analyse der Straßenzüge und der Lage und der Größe der Parzellen schließt er auf die Gründung einer Bauernsiedlung südlich des großen Marktplatzes. Erst danach sei am oberen Zekesch eine Handwerkersiedlung entstanden, die im Zuge ihres weiteren Ausbaus die alte Vorsiedlung eingeschlossen habe. Möglicherweise stellt der Platz, auf dem sich heute die Margarethenkirche und das sie umgebende Kastell erheben, einen weiteren, unabhängigen Gründungskern dar, wo zu einem frühen Zeitpunkt ein Kloster entstanden sein könnte.

Wie erwähnt, gehörte das gesamte Gebiet vermutlich in den ersten Jahrhunderten ihrer Existenz ungarischen Adligenfamilien. Zwar war der Unterschied zwischen den Abgaben eines freien Siedlers auf dem Königsboden und den Leistungen in den damaligen Hörigendörfern nicht groß. Trotzdem strebten die Neusiedlungen danach, die gleichen Rechte und Freiheiten zu erlangen, die schon den Siedlern auf dem Königboden gewährt worden waren. Im Jahre 1315 gelang es einer zum ungarischen König Karl Robert entsandten Delegation, die Ausdehnung der Privilegien der Hermannstädter Provinz auf die späteren Zwei Stühle zu erwirken. Der politische Anschluss der Zwei Stühle an die Hermannstädter Provinz fand allerdings erst im 15. Jahrhundert statt, als die Sächsische Nationsuniversität gegründet wurde.

Ab 1395 fielen die Türken immer häufiger in Siebenbürgen ein, 1438 wurde auch Mediasch von ihnen verwüstet. So wurde es immer dringender, die Siedlung besser für die Verteidigung ihrer Bewohner herzurichten. Zunächst wurde der erhabene Platz in der Mitte des Ortes befestigt, auf dem schon seit alters her eine Kirche stand. Im Laufe der Zeit entstand hier eine mit einem dreifachen Mauerring umgebene Zufluchtsburg – die einzige in Siebenbürgen bekannte städtische Kirchenburg. Die später nur noch „Kastell“ genannte Burg wurde im Jahre 1452 zum ersten Mal erwähnt. In der der Heiligen Margarethe geweihten Kirche erneuerten die drei siebenbürgischen Landesstände (ungarischer Adel, Szekler, Sachsen) im Jahre 1459 zum ersten Mal ihre Brüderliche Allianz“ (unio trium nationum).

Kurz nachdem das Kastell im Jahre 1480 fertig ausgebaut war, wurde auch die erweiterte Kirche in ihrer heute bekannten Form fertig gestellt (1488) und ein begabter Maler damit beauftragt, das Chor mit einem gotischen Flügelaltar zu schmücken. Gleichzeitig begann man die einfachen Befestigungen des Ortes durch Mauern zu ersetzen. Anfangs hatten Verhaus und Wälle, kombiniert mit mehreren Teichen auf der Südost- und Südwesteseite der Stadt als Bollwerk gegen feindliche Angriffe ausgereicht. Im Norden und Westen sorgten die Kokel bzw. ihre sumpfige Niederung für wirksamen Schutz. Ende des 15. Jahrhunderts reichte dies zur Abwehr türkischer Angriffe nicht mehr aus. Vermutlich wollten die Mediascher durch den Bau der Stadtmauer auch ihre Vormachtstellung gegenüber anderen Stuhlsgemeinden betonen und den schon viele Jahrzehnte andauernden Kampf um den dauernden Sitz des Stuhlsrichteramtes für sich entscheiden. Sie sprachen verschiedentlich beim ungarischen König vor. Sowohl Matthias Corvinus, als auch sein Nachfolger Wladislaw II griffen mit urkundlichen Verfügungen mehrfach zu Gunsten der Mediascher in die Auseinandersetzung ein. 1490 begann die intensive Arbeit am Bau der Stadtbefestigungen, sie wurden vermutlich kurz vor 1534 beendet. Im Jahre 1552 wurde Mediasch dann ständiger Sitz des Königsrichters und als Stadt Vorort der Zwei Stühle. Erster Bürgermeister der jungen Stadt wurde der Kürschner Simon Pellio. Zu dieser Zeit wohnten etwa 300 Familien in der Stadt, das entspricht ca. 1400 Einwohnern.

Mediasch um 1862. Blick auf die Stadt von Süden… In der Bildmitte ist die Neue Bastion zu erkennen. Die “Neue Bastion” wurde 1633 errichtet. Auf ihren Grundmauern steht seit 1889 die Reformierte Kirche. (Foto L. Schuller – Archiv: HG-Mediasch)Mediasch in der Fürstenzeit und im Habsburgerreich

Grosse Veränderungen brachte das 16. Jahrhundert. Nach der verheerenden Niederlage Ungarns gegen die Türken bei Mohacs (1526) zerfiel das Königreich und Siebenbürgen wurde im Jahre 1556 ein selbstständiges Fürstentum unter türkischer Oberhoheit. Zur gleichen Zeit vollzog sich die Reformation in Siebenbürgen. Ein wichtiger Schritt auf dem Wege dorthin war die in der Margarethenkirche abgehaltene Synode am 17. Mai 1545. In Mediasch, war es Stadtpfarrer Bartholomäus Altemberger, der den Übergang zur lutherischen Lehre durchsetzte. Er ordnete wohl auch den „Bildersturm“ an, dem der Figurenschmuck der Margarethenkirche größtenteils zum Opfer fiel. Auch die Holzplastiken des Hauptaltars dürften damals verloren gegangen sein. Im Zuge der Reformation mussten auch die Mönche das Kloster auf dem Zekesch verlassen (1543). Im Jahre 1571 wurde, ebenfalls auf einer Synode in Mediasch, das Augsburgische Glaubensbekenntnis angenommen.

Zur Ruhe ist die junge Stadt, dank ihrer zentralen Lage und dank ihres großen Gotteshauses, nicht mehr gekommen. Nur allzu oft berief der Fürst den Landtag nach Mediasch ein. Das war jedes Mal eine starke finanzielle und materielle Belastung für Stadt und Bürgerschaft, die für Kost und Quartier, für Geschenke und Wegzehrung aller Teilnehmer und ihres ganzen Gefolges sorgen musste.

 

Die folgende, in der Geschichte Siebenbürgens als „Fürstenzeit“ bekannte Periode, war durch innere Instabilität gekennzeichnet. In Mediasch fielen wiederholt plündernde Truppen ein: im Jahre 1600 die wilden Scharen des walachischen Fürsten Michael, im folgenden Jahr die Truppen des zurückkehrenden siebenbürgischen Fürsten Sigismund Bathori, 1603 dann die Haufen des Moszes Szekely. Kurz darauf musste die Stadt dem kaiserlichen österreichischen General Basta 24.000 Gulden zahlen, 1604 weitere 8.000 Gulden für den Sold der wallonischen Söldner.image013-R Als die kaisertreue Stadt den neuen Fürsten Stefan Bocskai nicht anerkennen wollte, wurde sie von dessen Haiduken 1605 geplündert. Zwar verjagte bald darauf der kaiserliche Hauptmann Georg Rács die Haiduken, hauste dann aber ebenso grausam wie diese. Auf dem anschließend nach Mediasch einberufenen Landtag wurde Bocskai förmlich als Fürst anerkannt. Die um die Stadt lagernden Heerhaufen der Türken, der Moldauer und Walachen sowie das fürstliche Aufgebot mussten von der Stadt verpflegt werden. Bald darauf zogen wieder kaiserliche Truppen unter Sigismund Forgach in die Stadt ein. Diese ergaben sich dem neuen Fürsten Gabriel Bethlen kampflos, wurden aber trotzdem gefesselt und in türkische Sklaverei verkauft. Die Stadt musste 12.000 Gulden zahlen, wurde aber trotzdem zur Plünderung freigegeben. Auf dem Landtag zu Mediasch im Jahre 1614 erschienen auch die Mörder des früheren Fürsten Gabriel Bathori um Belohnung zu fordern. Vor dem erbitterten Kriegsvolk flüchteten sie auf den Turm der Kirche am Zekesch. Sie wurden von dort heruntergestürzt und in Stücke gehauen.

 

Nach der kurzen friedlichen Regierungszeit Bethlens folgte der geldgierige und habsüchtige Georg Rákoczi (1631-1648) auf den Fürstenthron Siebenbürgens. Er hatte es vor allem auf die „Geldsäcke der Sachsen“ abgesehen und forderte ständig große Summen von der Stadt. Sein Sohn, Georg Rákoczi II. stellte sich gegen die Türken und wurde deshalb abgesetzt. Auf dem Landtag in Mediasch überredete er jedoch den neuen, von den Türken eingesetzten Fürsten Franz Rhedey, zu seinen Gunsten auf den Fürstenthron zu verzichten. Neues Leiden, Sengen und Brennen, Mord und Totschlag waren die Folge. Ali Pascha setzte dann den schwachen Fürsten Michael Apafi ein. Dieser musste mit dem siebenbürgischen Aufgebot die Türken bis zur Belagerung Wiens begleiten. Das schutzlose Land wurde in der Zwischenzeit von den Tataren verheert, Mediasch erneut geplündert.

Für die Truppen musste das Land aufkommen und riesige Mengen von Lebensmitteln in alle Garnisonen transportieren. Mediasch musste sich hierfür hoch verschulden. Geldgeber waren ungarische Adelige, die keinerlei Verpflichtungen und Abgaben zu leisten hatten. Wirtschaftlicher Niedergang und ein Rückgang der Bevölkerungszahlen war die Folge. Dazu kamen Missernten, Hungersnot, Viehseuchen und die Pest. Besonders verheerend waren die Jahre 1556, 1572, 1568, 1601-1604, 1633, 1643. Im Jahre 1646 begrub man in Mediasch über 800 Menschen, 9-14 an einem Tag. Die Pest wütete noch bis 1661. Im Jahre 1698 hatte Mediasch mit den Zwei Stühlen nur 2030 Wirte, die Hälfte davon ohne Vieh; 549 Höfe waren wüst. Die Schuldenlast betrug 160.000 Gulden.

Um die großen Lücken in der Stadtbevölkerung zu schließen, und die anstehenden Steuern, Schulden und Zinsen zahlen zu können, beschloss der Stadtrat im Jahre 1664 sächsische Dorfbewohner aufzunehmen und ihnen eine dreijährige Steuerfreiheit zu gewähren. 1667 bekam Mediasch eine kaiserliche Garnison, die von den Bürgern untergebracht und verpflegt werden musste. Gegen die kaiserliche Besetzung erhob sich Franz Rákoczi II. mit seinem Bauernheer, den „Kuruzen“. Mediasch, das kaisertreu war, wurde von den Truppen der Feldhauptleute Simon Forgacs und Lörincs Pékri belagert und bombardiert, große Teile der Stadtmauer wurden zerstört. Die Stadt musste sich ergeben und hohes Lösegeld bezahlen. Von dieser Belagerung rührt die Bezeichnung der Kuruzenschanze her, eine Boden-Vertiefung auf der Vogelstange oberhalb des evangelischen Friedhofs, aus welcher die Kuruzen die Stadtmauern mit ihren Kanonen sturmreif schossen.

Nach der Niederschlagung des Aufstandes nahm das Haus Habsburg Siebenbürgen mit aller Härte in Besitz. Mit einer Vielzahl von Maßnahmen, die man in der Geschichtsschreibung als „Gegenreformation“ bezeichnet, versuchte das österreichische Kaiserhaus die (katholische) Staatsreligion in Siebenbürgen wieder stärker zu verankern. Der Magistrat der Stadt Mediasch musste im Jahre 1721 das ehemalige Kloster Kloster am Zekesch an den kommandierenden General Damian Hugo Graf von Virmont übergeben, der es dem Franziskaner-Orden zur Nutzung überließ. In einem repräsentativen Haus am Marktplatz wurde eine katholische Piaristenschule mit Kloster gegründet. In dieser Zeit wurden viele Rumänen zur griechisch-katholischen Kirche bekehrt. Für die öffentliche Verwaltung wurde gefordert, dass die Hälfte der Magistratsbeamten katholischen Glaubens sein mussten. Viele Handwerker, von denen zahlreiche aus Böhmen stammten, kamen so zu öffentlichen Ämtern, ohne die notwendige Qualifikation nachweisen zu müssen. Aber auch unter den Sachsen aus Mediasch begann manch unglaubwürdige Karriere mit einem Glaubensübertritt. Eine neue Etappe im ständigen Kampf um die Erhaltung der lebensnotwendigen Freiheiten und Rechte hatte begonnen, ein Kampf gegen den allmächtigen Wiener Hof und seine „heilige“ Bürokratie. Zu Zeiten Maria Theresias gelang es dem Siebenbürger Sachsen Samuel von Brukenthal, als er zum Gubernator von Siebenbürgen ernannt wurde, zeitweise das Ärgste abzuschwächen. Nach der Übernahme der Staatsgeschäfte durch Joseph II. musste auch er dem Druck aus Wien weichen.

In Mediasch hatte sich unter solchen Verhältnissen in den Reihen des Patriziates ein selbstbewusster Beamtenstand herausgebildet, dessen Vertreter ihr Möglichstes zur Bewahrung der althergebrachten Ordnung beitrugen. Oft wurde von oberster Stelle ihre Arbeit gewürdigt und viele in den Adels- oder Edelmannsstand erhoben, wie die Familien Conrad von Heydendorff, Hann von Hannenheim, Krauss von Ehrenfeld, Arz von Straussenburg, Bedeus von Scharberg, Binder von Biedersfeld, von Kiertschberg, von Sachsenheim u. a.

Als Folge der Französischen Revolution und den sich anschließenden napoleonischen Freiheitskriegen, an denen sich auch Mediascher Grüne Jäger beteiligten, wurde der Ruf nach Freiheit und gegen den metternichschen Polizeistaat immer mächtiger. Studenten brachten aus Westeuropa fortschrittliches Gedankengut und technisches Wissen mit. So kämpfte Stefan Ludwig Roth als Lehrer, Rektor, Prediger und Pfarrer in Mediasch, Nimesch und Meschen nicht nur für eine lebensnahe Schule und für die Einführung von Handfertigkeit, Turnen und Singen als Unterrichtsfächer in den Schulbetrieb. Er setze sich leidenschaftlich für die gegenseitige Achtung aller Nationen in Siebenbürgen ein, plädierte öffentlich für die Gleichberechtigung der St.L.Roth Denkmal 1898Rumänen und ihrer Sprache mit jener der Ungarn und der Sachsen und lehnte die zunehmenden Maßnahmen zur Magyarisierung Siebenbürgens ab. In der Landwirtschaft versuchte er moderne Methoden einzuführen, plädierte dafür, die Fruchtwechselfolge an Stelle des Flurzwangs der Dreifelderwirtschaft einzuführen und setzte sich für den Anbau von Futterpflanzen, für die Bodenkomassation, für Einfuhr produktiver Viehrassen sowie für die Errichtung einer sächsischen Ackerbauschule ein. Dass er von den konservativen Mediascher Patriziern nicht verstanden wurde, gehörte mit zur Tragik seines Schicksals. Als 1848 die Revolution ausbrach, stand er wie fast alle Sachsen auf Seiten der Kaiserlichen, die in diesen Ereignissen keine soziale Revolution, sondern ein nationalistischen Aufstand der Ungarn gegen die Habsburger Herrschaft sahen. In einem Ausbruch von unvorstellbarem chauvinistischem Hass einzelner ungarischer „Revolutionäre“ wurde er verhaftet und kurzem, formalem Prozess am 11. Mai 1849 auf der Festung in Klausenburg erschossen.

Vom österreichisch-ungarischen „Ausgleich“ bis zum Ersten Weltkrieg

Mit dem Ausgleich zwischen Ungarn und dem Haus Habsburg erreichten die Ungarn im Jahre 1867 die Verwirklichung ihres Wunschtraumes, Selbstständigkeit im Rahmen der kaiserlich – königlichen Doppelmonarchie und Vereinigung Siebenbürgens mit Ungarn. Es folgte eine totale Umstellung und Neuorganisation des Landes. Der Königsboden und die Nationsuniversität wurden aufgelöst, das ganze Land von Budapest aus in Komitate eingeteilt, die ungarische Sprache in Schule und Verwaltung, im Kulturleben eingeführt, ungarische Beamte wurden eingesetzt, die Benutzung der deutschen Sprache im öffentlichen Leben eingeschränkt. Die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts war gleichwohl eine Epoche wirtschaftlichen Aufschwungs, auch wenn die beginnende Industrialisierung letztlich in den Kinderschuhen stecken bleib, denn es fehlte an Kapital und an Absatzmärkten. Die Bevölkerung der Stadt wuchs insbesondere durch den Zuzug von Ungarn und Rumänen in die Stadt. Gegen Ende des Jahrhunderts wanderten viele Sachsen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen nach Altrumänien oder in die Vereinigten Staaten aus. Von dem Amerikafieber wurden jedoch in Siebenbürgen auch Rumänen und Ungarn gleichermaßen erfasst.

Bald unterbrach der erste Weltkrieg als schmerzliche Zäsur diese an sich schon sehr bewegte Zeit. Er forderte auch von der Mediascher sächsischen Bevölkerung große Opfer. 481 junge Männer mussten am Krieg teilnehmen, 22 davon verloren ihr Leben. Sein Ausgang brachte das Ende der alten Ordnung, so weit man nach 1867 überhaupt von einer solchen sprechen konnte.

Enttäuscht von der Politik der ungarischen Regierung und voller Hoffnung auf einen Neuanfang sprachen sich die Delegierten des sächsischen Nationalrates, der sich am 8. Januar 1919 in der Mediascher Margarethenkirche versammelt hatte, für den Anschluss an das Königreich Rumänien aus, nachdem die Siebenbürger Rumänen sich in ihren Karlsburger Beschlüssen vom l. Dezember 1918 dafür ausgesprochen hatten, dass „jedes Volk den Unterricht, die Verwaltung und die Rechtssprechung in seiner eigenen Sprache und durch Individuen aus seiner Mitte“ haben solle. Dass diese Beschlüsse nie in die Tat umgesetzt wurden, gehört zur besonderen Tragik in der Geschichte der Völker Siebenbürgens.

Mit dem Jahr 1918 soll auch der kurze Rückblick auf die Geschichte abgeschlossen werden. Blicken wir an dieser Stelle im Zeitraffer noch einmal auf die etwa 850 Jahre zurück, die seit dem legendären Gründungsjahr von Mediasch vergangen sind. Vor dem geistigen Auge ziehen die ersten gut dreihundert Jahre vorbei, in denen Mediasch, wie das ganze sächsische Siedlungsgebiet, zum Königreich Ungarn gehörte. Danach folgten knappe 200 Jahre im türkisch dominierten Fürstentum. Hundertfünfzig Jahre weitere Jahre herrschte danach das Haus Habsburg, fünfzig Jahre die königlich ungarische Regierung im Dualismus. Ihr folgte für knapp 30 Jahre das Königreich Rumänien, eine Zeit, in die auch die unseligen Verirrungen der „Volksgruppe“ fallen, gefolgt von 40 Jahren kommunistischer Diktatur und Misswirtschaft. Und seit dem Sturz Ceausescus sind nun auch schon knappe zwanzig Jahre vergangen. Dieser Zeitraffer deutet etwas davon an, wie sich die geschichtlichen Ereignisse in Siebenbürgen, aber auch in und um unsere Heimatstadt Mediasch immer mehr beschleunigt haben. Die letzten 150 Jahre seit der Einführung des österreichisch-ungarischen Dualismus markieren dabei in besonderem Maße den Verlust der traditionellen Strukturen, die die Existenz der sächsischen Gemeinschaft in Siebenbürgen gesichert hatten. Am Ende dieser Zeit steht unser fast vollständiger Auszug aus der alten Heimat.

Marienkapelle im Folterturm – Fresko des Heiligen Matthäus um 1430 – Foto Hermann Fabini
Mediasch Margarethenkirche Altar Foto Hermann Fabini

Die Geschichte der Siebenbürger Sachsen in dieser letzten Periode ist noch nicht wirklich aufgearbeitet, geschweige denn niedergeschrieben. Dies gilt auch für unsere Heimatstadt Mediasch. Auch wenn seit dem Ende des Ersten Weltkriegs nun 90 Jahre vergangen sind, begreifen viele noch lebende Mediascher die seither vergangene Zeit weniger als historischen Abschnitt, sondern vielmehr als ihre eigene Lebenszeit. Es gibt noch sehr viele Zeitgenossen, für die die Ereignisse der letzten Jahrzehnte aus eigenem Erleben oder Erleiden, auf jedem Fall aus eigener Anschauung oder aus den Erzählungen von Freunden und Verwandten noch gegenwärtig sind. Sie zu bewerten ist die Zeit noch zu früh. Die Geschichte dieser Zeit ist nicht zuletzt auch deshalb noch nicht geschrieben, weil das Ausmaß der Veränderungen so groß war, dass es noch nicht möglich war, alles so weit zu „verdauen“, dass es bewertet werden kann.

 

Der Text, überarbeitet von Dr. Hansotto Drotloff, lehnt sich an eine Arbeit von Gustav Servatius an, veröffentlicht in: Mediasch, die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel, herausgegeben von der HG Mediasch, Wort und Welt Verlag, 1992.